Kennt ihr das?
- Das KI-Protokoll des Projektmeetings ist perfekt formatiert, aber niemand weiß, wer bis wann was erledigt.
- Eine Zusammenfassung geht an die Geschäftsführung, und der wichtigste Vorbehalt aus der Originalvorlage fehlt.
- Im Meeting schreibt plötzlich ein Assistenzsystem mit, und die Hälfte der Runde sagt kaum noch etwas.
- Die Präsentation ist mit KI in einer Stunde fertig, aber im Termin kann sie niemand frei erklären.
In vielen Teams schreibt die KI inzwischen mit. Sie fasst Meetings zusammen, entwirft Mails und macht aus einem Foliensatz in Minuten eine Seite. Das spart Zeit, verändert aber auch, was von Menschen in der Kommunikation erwartet wird.
Generative KI macht Informationsverarbeitung billiger. Die schwierigen Fragen bleiben menschlich: was uns wichtig ist, wer entscheidet und wie wir es so sagen, dass es ankommt. Genau dort lohnt es sich, gezielt zu üben.
Generative KI ist ein guter Simulator und ein schlechter Richter.
Was verändert KI an der Kommunikation im Unternehmen?
Mitschrift, Zusammenfassung und Aufgabenliste sind weitgehend gelöst. Assistenzsysteme protokollieren zuverlässiger als die meisten Menschen. Der Wert verschiebt sich damit von der Dokumentation zur Führung: Ziel setzen, Beteiligung erzeugen, Widerstand ansprechen, entscheiden.
Ein automatisches Protokoll kann eine unklare Entscheidung nur präzise dokumentieren. Verbessern kann es sie nicht. Wenn am Ende eines Termins niemand weiß, wer was bis wann macht, steht genau das jetzt sauber formatiert im Recap.
Für eure Weiterbildung heißt das: Die Frage ist nicht, ob eure Leute KI nutzen. Die Frage ist, ob sie die Teile beherrschen, die keine KI übernimmt. Und ob sie die KI so einsetzen, dass sie dabei besser werden und nicht nur schneller.
Diese Woche: Lest das letzte KI-Protokoll eines wichtigen Termins. Steht darin eine Entscheidung mit Verantwortlichem und Datum? Wenn nicht, lag das Problem im Termin, nicht im Werkzeug.
Wofür taugt KI beim Schreiben und Verdichten?
Für erste Entwürfe ist KI stark: aus langen Vorinformationen einen kurzen Entscheidungsbrief machen, offene Annahmen und fehlende Daten markieren, Optionen nach Kriterien ordnen, die ihr vorher festgelegt habt. Ein Prompt, der sofort hilft: „Formuliere aus diesem Hintergrund eine neutrale Entscheidungsfrage in einem Satz. Trenne Fakten, Annahmen und offene Fragen. Schlage noch keine Option vor.“
Der Haken liegt im Glätten. In einer Untersuchung von zehn Sprachmodellen mit 4.900 Zusammenfassungen verallgemeinerten die meisten Modelle Ergebnisse stärker als die Originaltexte, auch wenn ausdrücklich Genauigkeit verlangt war (Peters und Chin-Yee 2025). Die Befunde betreffen wissenschaftliche Texte und Modellstände von 2025, die Richtung ist trotzdem ein guter Grund zur Vorsicht.
Vor jedem Versand helfen deshalb vier Prüffragen.
- Stimmt jede Zahl mit dem Original überein, inklusive Einheit und Zeitraum?
- Sind alle Vorbehalte noch da?
- Ist die Kernaussage eure Aussage oder nur die naheliegendste?
- Könnt ihr den Text in zwei Minuten frei erzählen?
Diese Woche: Lasst einen Foliensatz von einer freigegebenen KI zu einer Seite verdichten und prüft das Ergebnis mit den vier Fragen. Der eigentliche Gewinn ist nicht die Zeit, sondern die Entscheidung, was wirklich zählt.
Wie nutzt ihr KI zur Vorbereitung auf Gespräche und Präsentationen?
Am meisten bringt KI nicht beim Schreiben, sondern beim Sprechen. Wer seine Botschaft laut mit einer KI durchspielt, trainiert in Echtzeit und findet Sätze, die man wirklich aussprechen kann. Im Audiomodus lassen sich spontane Fragen beantworten, so oft ihr wollt, ohne Publikum und ohne Terminabsprache.
Für schwierige Gespräche eignet sich die KI als Gegenüber. Ein Beispiel für einen Rollenspiel-Prompt: „Du spielst eine erfahrene Projektleiterin, der ich kritisches Feedback geben muss. Reagiere realistisch und nicht künstlich kooperativ. Nach sechs bis acht Wechseln beendest du die Rolle und gibst mir Rückmeldung zu Beobachtbarkeit, Klarheit der Wirkung, Qualität meiner Fragen und dem nächsten Schritt.“
Entscheidend ist der letzte Satz. Ohne klare Auswertungskriterien antwortet ein Modell freundlich und unbrauchbar. Mit ihnen bekommt ihr eine Einschätzung, an der ihr arbeiten könnt.
Diese Woche: Lasst euch eine kritische Frage zu eurem nächsten Thema von der KI stellen und antwortet laut in vier Sätzen: Punkt, Begründung, Beispiel, Punkt.
Kann KI ehrliches Feedback auf eigene Texte und Auftritte geben?
Teilweise. Auf Texte gibt KI brauchbare Rückmeldungen: Sie markiert Personurteile und übersetzt sie in beobachtbare Sprache, findet Füllwörter und zeigt, wo Struktur fehlt. Sie bewertet dabei nicht und wird nicht ungeduldig.
Wie ihr auf andere Menschen wirkt, kann sie nur simulieren. Ein Modell kennt weder die Vorgeschichte zwischen euch noch die Machtlage im Raum noch das, was gestern im Flur besprochen wurde.
Es erzeugt sozial plausible, aber gelegentlich falsche Interpretationen. Aussagen über Persönlichkeit, Potenzial oder Eignung sind keine Diagnose.
Die stärkste Kombination: KI für die Probe, ein Mensch für die Beobachtung. Für den eigenen Auftritt reicht dazu oft ein Smartphone. Beim SELFIE-Coaching nehmt ihr drei Minuten ohne Skript und ohne Schnitt auf, schaut sie an, passt eine Sache an und nehmt erneut auf.
Diese Woche: Nehmt einen Beitrag für den nächsten Termin dreimal hintereinander mit dem Handy auf und seht euch nur die dritte Aufnahme an. Danach bittet ihr eine Kollegin oder einen Kollegen um zwei Sätze Rückmeldung.
Was darf KI in der Kommunikation nicht übernehmen?
Einiges lässt sich gut delegieren, anderes gar nicht. Nicht delegierbar sind die Verantwortung dafür, welche Entscheidung überhaupt getroffen werden muss, das Entscheidungsrecht selbst, Wertentscheidungen und Zielkonflikte. Und die Einschätzung, ob Menschen aus Angst oder wegen der Hierarchie schweigen.
Dazu kommen Regeln für den Umgang mit Daten: Vertrauliche Unterlagen und Personendaten gehören nur in KI-Anwendungen, die euer Unternehmen dafür ausdrücklich freigegeben hat. Je nach Einsatz gelten außerdem interne Richtlinien, Datenschutz sowie Mitbestimmungs- oder Compliance-Anforderungen. Klärt das, bevor ein Team mit Aufzeichnungen startet.
Schreibt ein System im Meeting mit, gehört das an den Anfang: was aufgezeichnet wird, was gespeichert bleibt und wer Zugriff hat. Ohne diese Klarheit entsteht keine psychologische Sicherheit, und ohne psychologische Sicherheit keine ehrliche Beteiligung.
Diese Woche: Klärt für euer Team drei Dinge schriftlich: welche Systeme freigegeben sind, welche Daten tabu sind und wie Mitschriften angekündigt werden.
Was solltet ihr jetzt gezielt üben?
Je mehr Routinearbeit die KI übernimmt, desto sichtbarer wird, was nur Menschen können: im Raum präsent sein, eine Kernbotschaft frei sagen, Spannung ansprechen, eine Gruppe zu einer Entscheidung führen. Kein Assistenzsystem übernimmt die Verantwortung für den Raum.
Diese Fähigkeiten entstehen durch Anwendung, Rückmeldung und Wiederholung. Wenn ihr den Umgang mit KI und die menschliche Präsenz gemeinsam trainieren wollt, an euren echten Situationen und mit Video, findet ihr den Rahmen im KI-Kommunikationstraining als Inhouse-Seminar. Weitere Übungen stehen in unseren kostenlosen Arbeitspapieren.
- Jedes KI-Protokoll endet mit Entscheidung, Verantwortlichem und Datum.
- KI-Entwürfe werden vor dem Versand mit den vier Prüffragen geprüft.
- Wichtige Botschaften werden vorher laut geprobt, gern mit KI im Audiomodus.
- Rollenspiel-Prompts enden immer mit klaren Auswertungskriterien.
- Für die Wirkung im Raum gibt es eine menschliche Rückmeldung.
- Freigegebene Systeme und tabuisierte Daten sind schriftlich geklärt.
- Mitschriften werden zu Beginn jedes Termins angekündigt.
Was sich verändert, wenn ihr das klärt
Häufige Fragen zu diesem Thema
Ersetzt KI ein Kommunikationstraining?
Nein, sie ergänzt das Üben zwischen den Terminen. KI kann Gespräche simulieren, aber nicht beobachten, wie ihr im Raum wirkt, dafür braucht es Menschen und Videoanalyse.
Welche Aufgaben in Meetings kann eine KI übernehmen?
Vor allem Mitschrift, Zusammenfassung, Aufgabenliste und die Nachlieferung für Abwesende. Ziel setzen, Beteiligung steuern, Spannung ansprechen und entscheiden bleiben Aufgaben der Menschen im Raum.
Muss man ansagen, wenn eine KI im Meeting mitschreibt?
Ja, und zwar zu Beginn, mit drei Angaben: was aufgezeichnet wird, was gespeichert bleibt und wer Zugriff hat. Welche rechtlichen Vorgaben zusätzlich gelten, klärt ihr intern mit Datenschutz und gegebenenfalls Betriebsrat.
Welche Unterlagen dürfen in eine KI-Anwendung?
Vertrauliche Unterlagen und Personendaten nur in Anwendungen, die euer Unternehmen ausdrücklich freigegeben hat. Im Zweifel gehören sie nicht hinein.
Wie formuliert man einen guten Prompt für ein Übungsgespräch?
Beschreibt die Rolle des Gegenübers, verlangt eine realistische statt einer kooperativen Reaktion und legt fest, nach wie vielen Wechseln die KI auswertet. Entscheidend sind klare Auswertungskriterien am Ende des Prompts.
Wie geht ihr das Thema in eurem Unternehmen an?
Wir trainieren das an euren echten Situationen: als Impuls, Trainingstag oder Inhouse-Seminar mit Follow-up. Im Erstgespräch klären wir, welches Format zu eurem Ziel passt, und sagen ehrlich, wenn ein kleineres reicht.
15 Minuten · kostenlos · ehrlich, ob es passt