Kennt ihr das?
- Das neue Projektteam sitzt im Kick-off, alle nicken, niemand weiß, wer entscheidet.
- In Woche drei kippt die Stimmung, und im Jour fixe reden nur noch die Lauten.
- Dieselbe Diskussion kommt in jedem Termin zurück, nur später und teurer.
- Das Projekt endet mit einer letzten Mail, und niemand hält fest, was gelernt wurde.
Ein neues Team startet fast immer gleich. Kick-off, Vorstellungsrunde, Projektplan auf Folie vier. Alle nicken. Drei Wochen später reden im Jour fixe nur noch die Lauten, und dieselbe Frage landet zum vierten Mal auf dem Tisch.
Das ist kein Zeichen für ein schlechtes Team. Es ist eine Phase. Bruce Tuckman hat diese Phasen beschrieben. Was er nicht beschrieben hat: was Teamleitungen in jeder Phase sagen müssen. Darum geht es hier.
Was beschreibt das Tuckman-Modell?
Der Psychologe Bruce Tuckman wertete 1965 Studien zu Kleingruppen aus und fasste ihre Entwicklung in vier Phasen. 1977 ergänzte er gemeinsam mit Mary Ann Jensen eine fünfte Phase, die Auflösung.
- Forming: Orientierung. Die Mitglieder sind höflich, vorsichtig und schauen zur Leitung.
- Storming: Reibung. Rollen, Ziele und Einfluss werden ausgehandelt, Konflikte werden sichtbar.
- Norming: Einigung. Das Team bildet Regeln, Rollen und ein gemeinsames Verständnis.
- Performing: Leistung. Die Energie fließt in die Aufgabe statt in die Klärung der Beziehungen.
- Adjourning: Abschluss. Die Aufgabe endet, das Team löst sich auf.
Das Modell ist eine Beschreibung, kein Fahrplan. Phasen überlappen, und Teams fallen zurück, sobald jemand neu dazukommt, das Ziel sich ändert oder die Leitung wechselt. Nützlich ist es trotzdem: Es zeigt euch, welche Kommunikationsaufgabe gerade dran ist.
Diese Woche: Ordnet jedes eurer Teams einer Phase zu. Wo ihr zögert, liegt meist Storming.
Was muss in der Forming-Phase gesagt werden?
In dieser Phase schaut das Team zur Leitung. Die Kommunikationsaufgabe heißt Orientierung: Ziel, Ablauf, Rollen. In unserer Moderationsmethode LEAD ist das der erste Schritt, Lenken.
Der häufigste Fehler: Der Kick-off wird vorbereitet wie eine Präsentation, mit Foliensatz, Argumentationskette und Abschlussstatement. Präsentieren und Moderieren verhalten sich wie Skifahren und Snowboarden: derselbe Hang, eine andere Sportart. Beim Präsentieren sendet eine Person, beim Moderieren arbeitet eine Gruppe.
Drei Dinge gehören in jeden Start. Das Ziel in einem Satz, der mit „Am Ende haben wir …“ beginnt. Die Rollen: Wer entscheidet, wer liefert Input? Und die Regeln, bevor der erste Beitrag fällt. Danach wirken Regeln wie Kritik.
Diese Woche: Formuliert das Ziel eures nächsten Teamtermins in einem Satz und sprecht ihn zu Beginn laut aus.
Wie führt ihr ein Team durch die Storming-Phase?
Storming ist unbequem und notwendig. Die Kommunikationsaufgabe heißt: Spannungen ansprechen, ohne dass die Situation eskaliert. In LEAD ist das der Schritt Auflösen.
Die Versuchung ist groß, Konflikte höflich zu übergehen, um die Zeit zu halten. Die Konflikte kommen zurück, nur später und teurer. Widerstand ist kein Störfall, sondern ein Hinweis. Ein Spiegelsatz beschreibt, was ihr wahrnehmt, ohne zu bewerten: „Ich merke, dass wir an dieser Stelle dreimal zurückgekommen sind.“
Bei verhärteten Fronten hilft die zirkuläre Frage: „Was würde unser Kunde dazu sagen?“ Diese Frage löst Blockaden, ohne dass jemand seine Position aufgeben muss. Streicht dabei das Wort „Warum“. „Was hat dazu geführt?“ liefert dieselbe Information ohne Vorwurf.
Achtet auch auf Beschwerdeschleifen. Nach zwei, drei Beschreibungen des Problems lenkt ihr auf den nächsten Schritt, den das Team selbst beeinflussen kann.
Diese Woche: Schreibt fünf Varianten eines Spiegelsatzes, bis eine davon sich sagbar anfühlt.
Was gehört in die Norming-Phase?
Jetzt entstehen die Regeln, die das Team tragen. Die Kommunikationsaufgabe heißt: Vereinbartes sichtbar festhalten. Was niemand sieht, wird dreimal wiederholt.
Klärt drei Dinge ausdrücklich. Wer entscheidet, auf Basis welcher Kriterien und bis wann? Wann darf eine Entscheidung wieder geöffnet werden, nur bei neuer relevanter Information oder schon bei neuer Meinung? Und wie geht ihr mit Widerspruch um?
Die letzte Frage wird oft unterschätzt. Gruppen übergewichten früh geteilte Informationen, und Schweigen wird als Zustimmung gelesen. Das ist Scheinkonsens. Eine Widerspruchsrunde hilft: Die bevorzugte Option wird laut benannt, jede Person nennt eine Information, die dagegen spricht. Ist Hierarchie im Raum, spricht die Leitung ihren eigenen Zweifel zuerst aus.
Diese Woche: Haltet im nächsten Termin die drei wichtigsten Teamregeln sichtbar fest, auf Flipchart oder Whiteboard.
Wie bleibt ein Team in der Performing-Phase wirksam?
Ein eingespieltes Team braucht weniger Steuerung, aber nicht keine. Die Kommunikationsaufgabe heißt: Verbindlichkeit sichern. In LEAD ist das der Schritt Dranbleiben.
Gerade eingespielte Teams streichen bei Zeitdruck zuerst den Abschluss. Damit fällt genau der Teil weg, der Wirkung erzeugt. Fünf Minuten am Ende reichen: Das haben wir entschieden. Das bleibt offen. Das passiert bis wann durch wen.
Achtet in dieser Phase auch auf die Stillen. Wer sich daran gewöhnt hat, still zu sein, bleibt es. Stellt Fragen an eine bestimmte Person statt in die Runde und haltet danach die Pause aus: Nach einer guten Frage vergehen im Schnitt drei bis vier Sekunden bis zur ersten Antwort. In hybriden Runden beginnt jede Runde bei den Zugeschalteten.
Diese Woche: Blockt fünf Minuten Abschluss für euren nächsten Jour fixe, physisch im Kalender, nicht im Kopf.
Warum braucht auch das Ende eines Teams Worte?
Adjourning ist die Phase, die in der Praxis am häufigsten ausfällt. Das Projekt endet mit einer letzten Mail, das Team verteilt sich auf neue Aufgaben. Die Kommunikationsaufgabe heißt: das Ergebnis würdigen und das Gelernte sichern.
Ein Abschlusstermin braucht kein Fest. Er braucht drei Fragen: Was haben wir gemacht? Was hat gewirkt? Was nehmen wir in das nächste Team mit? Wer sie stellt, macht aus einem Projektende eine Erfahrung, die über das Team hinaus trägt.
Der Prozess gehört der Leitung. Das Ergebnis gehört der Gruppe.
Wie ihr Teamtermine in allen fünf Phasen führt, trainieren wir im Inhouse-Seminar Meetingmoderation, vor Ort und hybrid. Trainiert wird an euren echten Terminen, mit Video und ohne Rollenspiel. Kostenlose Arbeitspapiere zum Weiterlesen findet ihr in den Kostproben.
Diese Woche: Setzt für euer nächstes Projektende einen Abschlusstermin in den Kalender, bevor das Team auseinandergeht.
Welche Sätze braucht ihr in welcher Phase?
- Forming: „Am Ende haben wir …“ als Ziel in einem Satz, laut ausgesprochen.
- Storming: „Ich merke, dass wir an dieser Stelle dreimal zurückgekommen sind.“
- Norming: „Die Entscheidung trifft … nach Input von …“
- Performing: „Das haben wir entschieden. Das bleibt offen. Das passiert bis wann durch wen.“
- Adjourning: „Was nehmen wir in das nächste Team mit?“
- In jeder Phase: eine Frage an eine Person statt in die Runde, danach vier Sekunden Pause.
Was sich verändert, wenn ihr das klärt
Häufige Fragen zu diesem Thema
Wer hat die Phasen der Teamentwicklung beschrieben?
Der Psychologe Bruce Tuckman beschrieb 1965 die Phasen Forming, Storming, Norming und Performing. 1977 ergänzte er mit Mary Ann Jensen die Phase Adjourning.
Wie lange dauert eine Phase der Teamentwicklung?
Eine feste Dauer gibt es nicht. Wie lange ein Team in einer Phase bleibt, hängt von Aufgabe, Zusammensetzung und Führung ab, und Teams können in frühere Phasen zurückfallen.
Kann ein Team die Storming-Phase überspringen?
Meist nicht, sie wird höchstens verschoben. Übergangene Spannungen kehren später zurück, deshalb lohnt es sich, sie früh und sachlich anzusprechen.
Was ändert sich für die Teamleitung von Phase zu Phase?
Es ändert sich die Kommunikationsaufgabe: erst Orientierung geben, dann Spannungen ansprechen, Regeln festhalten, Verbindlichkeit sichern und zuletzt den Abschluss gestalten.
Wie geht ihr das Thema in eurem Unternehmen an?
Wir trainieren das an euren echten Situationen: als Impuls, Trainingstag oder Inhouse-Seminar mit Follow-up. Im Erstgespräch klären wir, welches Format zu eurem Ziel passt, und sagen ehrlich, wenn ein kleineres reicht.
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