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Führung · Konflikte

Konfliktgespräch führen: In sechs Schritten zur Lösung

Ein Konfliktgespräch führst du in sechs Schritten: vorbereiten, eröffnen, beide Sichtweisen hören, Interessen hinter den Positionen klären, Optionen nach Kriterien bewerten und eine überprüfbare Vereinbarung treffen. Das gilt, wenn du selbst beteiligt bist, und wenn du zwischen zwei Mitarbeitenden moderierst. Bei stark eskalierten Konflikten reicht ein Gespräch allein nicht mehr.

Kennst du das?

  • Zwei Mitarbeitende schreiben sich seit Wochen nur noch Mails, und das Team beginnt, Seiten zu wählen.
  • Nach zehn Minuten Gespräch geht es nur noch darum, wer im März was gesagt hat.
  • Du schlichtest mit einem Kompromiss, und eine Woche später bricht der Streit an anderer Stelle auf.
  • In der dritten Runde wiederholst du dieselben Argumente, und dein Gegenüber auch.

Konflikte im Team kündigen sich selten laut an. Erst werden die Mails förmlicher, dann bleiben Plätze im Meeting leer, irgendwann wählt das Team Seiten. Wenn du als Führungskraft eingreifst, ist der Konflikt meist älter als dein Eindruck davon.

Ein Konfliktgespräch löst dann nicht alles. Aber es kann den Weg vom Vorwurf zurück zur Sache öffnen, wenn es eine klare Struktur hat.

Der Leitgedanke: Im Konfliktgespräch gehört dir der Prozess, nicht die Wahrheit.

Wann hilft ein Konfliktgespräch, und wann nicht mehr?

Ein Konfliktgespräch lohnt sich, solange beide Seiten noch an einer gemeinsamen Lösung interessiert sind. Der Konfliktforscher Friedrich Glasl beschreibt neun Eskalationsstufen in drei Phasen. In der ersten können beide Seiten noch gewinnen, in der zweiten will eine Seite gewinnen, in der dritten nehmen beide eigenen Schaden in Kauf, solange die andere Seite mehr verliert.

Für den Alltag heißt das: In den frühen Stufen kannst du das Gespräch selbst führen. Geht es nur noch ums Gewinnen, brauchst du eine neutrale Moderation, oft von außen.

Prüfe außerdem, ob es überhaupt ein Kommunikationskonflikt ist. Widersprüchliche Ziele, unklare Zuständigkeiten oder fehlende Ressourcen lassen sich nicht wegreden. Dann klärst du zuerst den Rahmen.

Die sechs Schritte im Überblick:

  1. Vorbereiten
  2. Eröffnen
  3. Sichtweisen hören
  4. Interessen klären
  5. Optionen bewerten
  6. Vereinbaren und nachhalten

Die Reihenfolge ist eine Arbeitsstruktur, kein wissenschaftlich geprüftes Modell. Sie bündelt Prinzipien aus Gesprächsführung und Moderation, die du ohne Vorwissen anwenden kannst.

Diese Woche: Ordne einen aktuellen Konflikt in deinem Umfeld ein: Wollen beide Seiten noch eine gemeinsame Lösung, oder will eine Seite vor allem gewinnen?

Schritt 1: Wie bereitest du das Gespräch vor?

Kläre zuerst deine Rolle: Bist du Partei, sprichst du für dein eigenes Anliegen. Moderierst du zwischen zwei Mitarbeitenden, verantwortest du den Weg, nicht das Ergebnis. Wer beides gleichzeitig will, verliert beide Seiten.

Trenne dann Beobachtung, Bewertung und Vorschlag. „Ihr liefert immer zu spät“ vermischt alles. „Die letzten drei Lieferungen kamen nach dem Termin“ ist überprüfbar, und Nachprüfbares wird nicht bestritten, sondern eingeordnet.

Lege außerdem fest, was am Ende klar sein soll. Ein Satz, der mit „Am Ende haben wir …“ beginnt, reicht.

Diese Woche: Schreib für deinen Konflikt drei Zeilen: was du beobachtet hast, wie du es einordnest, was du vorschlägst. Enthält die erste Zeile schon eine Bewertung, fang von vorn an.

Schritt 2: Wie eröffnest du das Gespräch?

Die ersten Minuten entscheiden über die Energie. Nenne den Anlass sachlich, das Ziel in einem Satz und den Ablauf. Wenn du moderierst, gehören zwei Regeln an den Anfang: ausreden lassen und ein Gedanke pro Beitrag.

Regeln wirken nur, wenn sie vor dem ersten Beitrag stehen. Danach sind sie Kritik.

Vermeide Rückblicke mit Vorwurf. Wer mit „Warum hast du eigentlich“ beginnt, bekommt eine Verteidigung statt eines Gesprächs.

Diese Woche: Formuliere deinen Einstieg in drei Sätzen: Anlass, Ziel, Ablauf. Sprich ihn einmal laut.

Schritt 3: Wie hörst du beide Sichtweisen, ohne Partei zu ergreifen?

Jede Seite schildert die eigene Sicht, ohne Unterbrechung. Danach fasst du in einem Satz zusammen, was du verstanden hast, und lässt es bestätigen: „Wenn ich dich richtig verstehe, geht es dir vor allem um …“

Moderierst du zwischen zwei Personen, stell beide Positionen sichtbar nebeneinander, etwa auf einem Flipchart. Was sichtbar ist, wird weitergedacht statt wiederholt. Bewerte dabei nichts, auch kein „Guter Punkt“.

Achte auf die Schleife. In einer Untersuchung von 92 realen Teammeetings hingen Beschweren und personenbezogene Kritik mit schlechteren Ergebnissen zusammen, und Beschweren erzeugte weiteres Beschweren (Kauffeld und Lehmann-Willenbrock, 2012). Nach zwei, drei Beschreibungen schaltest du deshalb um auf die Frage, was sich beeinflussen lässt.

Diese Woche: Übe in einem beliebigen Gespräch, eine Aussage in einem Satz zusammenzufassen, bevor du antwortest.

Schritt 4: Wie kommst du von Positionen zu Interessen?

Das Harvard-Konzept von Roger Fisher und William Ury unterscheidet Positionen von Interessen. Die Position ist das, was jemand fordert. Das Interesse ist der Grund dafür.

Zwei Positionen schließen sich oft aus, zwei Interessen deutlich seltener. Wenn zwei Personen dasselbe Projekt leiten wollen, passt das nicht zusammen. Sichtbarkeit beim Kunden für die eine und Planungssicherheit für die andere passen vielleicht schon.

Drei Fragen helfen beim Wechsel:

  • „Was ist dir daran wichtig?“ holt das Anliegen hinter dem Vorwurf.
  • „Was würde dein Kunde dazu sagen?“ öffnet als zirkuläre Frage eine dritte Perspektive, ohne dass jemand die eigene Position aufgeben muss.
  • „Was hat dazu geführt?“ ersetzt das „Warum“, das nach Rechtfertigung klingt.

Diese Woche: Schreib für beide Seiten deines Konflikts auf, welches Interesse hinter der Position stehen könnte. Prüfe deine Vermutung im Gespräch mit einer Frage.

Schritt 5 und 6: Wie wird aus der Einigung eine Vereinbarung, die hält?

Viele Konfliktgespräche enden mit einem schnellen Kompromiss. Er beendet die Spannung im Raum, aber nicht den Konflikt. Tragfähiger ist es, zuerst Kriterien festzulegen und dann Optionen daran zu messen.

Frag also nicht sofort: „Was machen wir?“ Frag zuerst: „Woran erkennen wir eine gute Lösung?“ Wer Kriterien vor Optionen klärt, verhindert, dass Lieblingsideen früh verteidigt und erst nachträglich begründet werden.

Die Vereinbarung selbst braucht vier Angaben: was entschieden ist, wer es umsetzt, bis wann und wann die Beteiligten es gemeinsam überprüfen. Dazu kommt eine Regel für neue Streitpunkte: Wieder geöffnet wird nur bei neuer, relevanter Information, nicht bei neuer Meinung.

Wie du Konfliktgespräche und Konfliktmoderation an echten Fällen aus deinem Team trainierst, zeigt unser Inhouse-Seminar zu Konfliktmanagement und Konfliktmoderation.

Diese Woche: Nimm eine offene Vereinbarung aus einem früheren Konflikt und ergänze die fehlende Angabe: verantwortliche Person, Datum oder Termin zur Überprüfung.

Was gehört auf deinen Gesprächsleitfaden?

Nimm diese Liste mit ins nächste Konfliktgespräch. Weitere Übungen findest du in unseren kostenlosen Arbeitspapieren.

  • Ich habe geprüft, ob ein Gespräch reicht oder eine Moderation von außen nötig ist.
  • Meine Rolle ist klar: Partei oder Moderation.
  • Beobachtung, Bewertung und Vorschlag stehen getrennt auf dem Papier.
  • Ziel, Ablauf und zwei Gesprächsregeln sind vorbereitet.
  • Beide Seiten konnten ausreden und haben meine Zusammenfassung bestätigt.
  • Hinter jeder Position kenne ich mindestens ein Interesse.
  • Die Kriterien standen fest, bevor wir Optionen bewertet haben.
  • Die Vereinbarung nennt was, wer, bis wann und einen Termin zur Überprüfung.

Was sich verändert, wenn du das klärst

Wer hat recht?Was braucht jede Seite?
Schneller Kompromiss, den keiner trägtOption, die nach vereinbarten Kriterien gewählt wurde
„Wir vertragen uns wieder“Wer macht was bis wann, mit Termin zur Überprüfung

Häufige Fragen zu diesem Thema

Wer sollte ein Konfliktgespräch zwischen zwei Mitarbeitenden moderieren?

In der Regel die gemeinsame Führungskraft, solange sie nicht selbst Partei ist. Ist sie beteiligt oder der Konflikt stark eskaliert, übernimmt besser eine neutrale Person aus HR oder von außen.

Was ist das Harvard-Konzept?

Das Harvard-Konzept ist eine Verhandlungsmethode von Roger Fisher und William Ury, die Menschen und Sachfragen trennt und Interessen statt Positionen in den Mittelpunkt stellt. Dazu kommen gemeinsam entwickelte Optionen und neutrale Kriterien für die Entscheidung.

Was tue ich, wenn eine Seite das Konfliktgespräch verweigert?

Frag zuerst nach dem Grund und biete einen Rahmen an, der Sicherheit gibt, etwa ein vorbereitendes Einzelgespräch. Bleibt es beim Nein, ist der Konflikt meist so weit eskaliert, dass Unterstützung von außen sinnvoll ist.

Wie viel Zeit sollte ich für ein Konfliktgespräch einplanen?

Plane großzügig und mit Puffer, damit das Gespräch nicht unter Zeitdruck abbricht. Reicht die Zeit nicht, vertagst du mit festem Termin, statt einen schnellen Kompromiss zu erzwingen.

Tim Christopher Gasse

Geschrieben von

Tim Christopher Gasse

Gründer und leitender Coach von NEOP. Trainiert seit 2014 Teams und Führungskräfte in Präsentieren, Auftreten und Gesprächsführung.

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